Familienalltag

„Ich kann das schon!“ – Mein Kind entdeckt seine Selbstständigkeit

20170301_161337.jpg„(Al)leine machen!“, ist momentan wohl der häufigste Satz im Hause Mamality. Egal ob es darum geht, die Schuhe anzuziehen, frische Socken aus der Schublade zu holen oder eine Mandarine zu schälen. „Mama warten!“, ruft das Räubermädchen mir dann mit ernster Miene zu. Gefolgt von einem: „Räubermeedsen holt/macht.“ Seit einigen Wochen ist der Wunsch, Dinge alleine zu machen, bei ihr sehr ausgeprägt. Ich finde das wahnsinnig toll und versuche, wenn immer möglich, ihr diesen Raum zur Eigenständigkeit zu geben. Auch wenn das bedeutet, dass die Dinge etwas länger dauern. Zugegebenermaßen muss ich mich manchmal selbst dazu überreden. Ist es doch so viel einfacher, es einfach schnell selbst zu erledigen. Gerade an Tagen, an denen mein Geduldsfaden eher dünn und der Zeitdruck mal wieder ziemlich groß ist. Aber der Stolz in ihrem Gesicht, wenn sie etwas ganz alleine geschafft hat, ist es jedes einzelne Mal wert, sich diese extra Zeit zu nehmen. Und je öfter wir das tun, desto selbstverständlicher wird es auch.

PicMonkey Collage1.jpgBeharrlichkeit zahlt sich aus
Das erste Mal aufgefallen ist mir dieser neue Drang nach Selbstständigkeit vor einiger Zeit auf dem Nachhauseweg von der Kita. Wir kommen dort immer an einem Haus mit einigen langgezogenen Stufen im Vorgarten vorbei und wirklich jedes Mal, wenn wir zu Fuß unterwegs sind, muss das Räubermädchen diese Stufen erklimmen. An diesem Tag war ich gerade dabei, meine helfende Hand anzubieten, als das Räubermädchen diese empört wegschlug. Nein, sie wollte diese Stufen ganz alleine erklimmen! Sie setzte den linken Fuß auf die Treppenstufe und versuchte den anderen nachzuziehen, doch der Schwung fehlte. Sie versucht es immer und immer wieder, doch es klappte einfach nicht. Sie probierte es mit dem rechten Fuß zuerst. Das klappte schon besser, aber es reichte immer noch nicht. „Soll ich Dir helfen?“, fragte ich nach einer ganzen Weile amüsierten Zuschauens. „Nein, niss!“, schallte es mir vehement entgegen. „Versuch es doch mal mit ein bisschen Anlauf“, riet ich ihr, wohlwissend, dass wir hier nicht eher wegkommen würden, bis sie es tatsächlich geschafft hatte. Und siehe da! Nach zwei, drei Versuchen hatte sie die Stufe tatsächlich gemeistert. Sie strahlte über das ganze Gesicht. Und ich auch. „Räubermeedsen kannt!“, triumphierte sie. Und war schon wieder mit der nächsten Treppenstufe beschäftigt. Im Nachhinein finde ich diese Beharrlichkeit, mit der mein alles andere als mit Geduld gesegnetes Kind versuchte, sein Ziel zu erreichen, immer noch beeindruckend. Ich hatte noch nie erlebt, dass sie so fixiert darauf war, etwas alleine zu schaffen. Und irgendwie machte mich das ganz schön stolz.

PicMonkey Collage2.jpgKleiner Helfer im Haushalt
Auch das Schuheanziehen fällt seit Neuestem nicht mehr in meinen Aufgabenbereich – Stiefeln mit Klettverschluss sei Dank. Ein bisschen Assistenz beim Festhalten der Schuhe und Nachziehen der Klettbänder werden gerade noch so geduldet. Mehr aber auch nicht. Immer öfter versucht das Räubermädchen auch, sich selbst ihr Brot zu schmieren. Auch wenn mir schon des Öfteren fast das Herz stehen geblieben ist, wenn sie mit ihrem Kindermesser hantiert und ich wie eine Raubkatze auf der Jagd darauf lauere, jeden Moment einzugriefen, finde ich es richtig und wichtig, dass sie auch damit umzugehen lernt. Sehr praktisch finde ich außerdem, dass sich dieser Wunsch nach Selbstständigkeit auch gut in die Erledigung von Haushaltsdingen einbinden lässt. Das Räubermädchen hat großen Spaß daran, mir zu helfen und für mich Anti-Haushaltsfee sind die Aufgaben nicht mehr ganz so öde. Win-win sozusagen. Besonders gerne hilft mir das Räubermädchen beim Wäsche waschen. Sie trägt den leeren Wäschekorb vom Bad ins Schlafzimmer. Füllt die Klamotten, die ich ihr aus der Wäschetruhe reiche, hinein. Wir tragen den jetzt schweren Korb gemeinsam zur Wachschmaschine, die sie eifrig belädt. Zur Belohnung darf sie dann den Knopf drücken, der die Maschine startet.

20170304_120604.jpgEinkaufen mit Kind kann tatsächlich Spaß machen
Meine neue Lieblings-Mutter-Tochter-Beschäftigung ist allerdings Einkaufen. Noch vor wenigen Wochen habe ich es weitestgehend vermieden, alleine mit dem Räubermädchen einen Supermarkt von innen zu besichtigen. Im Einkaufswagen hielt sie es keine 2 Minuten aus. Die tollen Auto-Einkaufswagen waren allenfalls für die Dauer eines Sprintspurt-Einkaufs interessant. Und so war ich meistens wahlweise damit beschäftigt, meinem Kind, das zwischen den Regalen Verstecken spielte, hinterherzuhechten oder irgendwelche Dinge, die wir garantiert nicht brauchten, aus ihren Händen zu pflücken. Doch dann hatte unser Rewe-Markt eines Tages eine geniale Neuheit zu bieten: Kindereinkaufswägen. Seitdem ist Einkaufen bei uns sowas von entspannt geworden, dass ich es immer noch kaum fassen kann. Das Räubermädchen schiebt ihr Wägelchen durch die Gänge, ich sage ihr, was wir brauchen, sie sucht es aus und legt es in den Wagen. Natürlich gibt es auf dem langen Weg zur Kasse ungefährt 5324 Dinge, die sie auch gerne kaufen möchte. Aber sie akzeptiert so gut wie immer, dass wir diese Sachen gerade nicht brauchen, sondern etwas anderes viel dringender benötigen. Letztes Wochenende habe ich mit ihr sogar einen richtig schönen gemeinsamen Stadtbummel gemacht. Wir waren Deko und Bastelsachen shoppen, haben bei Starbucks einen Muffin gegessen und waren noch auf einen kurzen Abstecher bei H&M. Es war so entspannt. So unterhaltsam. So schööööön!

Ja, mein Mädchen wird langsam groß. Mit Sicherheit werden in nächster Zeit noch viele, viele weitere Dinge hinzukommen, bei denen sie Mamas Hilfe nicht mehr braucht. Oder nur ein klitzekleines bisschen. Und ich freue mich schon darauf!

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