Familienalltag

Mutterliebe – Vom Wachsen und Gedeihen eines Gefühls

20161116_115842Den Moment, in dem man sein Kind zum ersten Mal in den Armen hält, wird wohl keine Mutter und auch kein Vater jemals vergessen. Ich erinnere mich an diese unbeschreiblichen Augenblicke vor inzwischen fast zwei Jahren als wäre es gestern gewesen. Wie mir dieses kleine, energisch schreiende Bündel Mensch auf meine nackte Brust gelegt wurde und sich dort sofort beruhigte. Wie mir und dem Räuberpapa, der an meiner Seite saß, vor Glück die Tränen  über die Wangen liefen. Wie mich dieses kleine Mädchen, das ich monatelang in meinem Bauch getragen und gespürt hatte, nun unter dem Tuch hervor anblinzelte. Wie ich ihr zuflüsterte: „Hallo mein Schatz, ich bin deine Mama“ und sie genau zu verstehen schien, wer ich bin. Wie sie irgendwann ihren Daumen fand und anfing, daran zu nuckeln. Ich war vollkommen überwältigt von diesem Wunder in meinen Armen. Dieses Kind, das in meinem Bauch gewachsen war, war nun hier. Gesund und wunderschön. Ich liebte sie, von ihrem ersten Atemzug an. Was allerdings eine ganze Weile auf sich warten ließ, waren echte Muttergefühle. Diese unbändige Liebe zwischen Mutter und Kind, die man nur nachvollziehen kann, wenn man sie selbst erlebt hat. Und das war zugegebenermaßen nicht immer einfach. Auch wenn ich wusste, dass ich nur Geduld haben müsste.

Wo blieb sie nur, diese Welle an Emotionen?
Wenn Mütter über die Geburt ihres Kindes berichten, ist oft von dieser unglaublichen Welle an Gefühlen die Rede, die über einen hinweg rollt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mich kalt lässt, wenn andere davon erzählen. Denn auch ich hatte mir das im Vorfeld genau so vorgestellt. Doch statt einem gigantischen Mammutbaum glich meine Mutterliebe eher einem zarten Pflänzchen. Ich wusste, dass das normal ist. Dass nicht jede Mutter von der ersten Sekunde an diese unglaubliche Liebe für ihr Kind empfindet. Und auch wenn ich tief in mir drin ganz fest daran glaubte, dass diese Liebe noch ins Unendliche wachsen würde, schlichen sich hin und wieder Zweifel ein. Interessanterweise fiel es mir ansonsten überhaupt nicht schwer, mich in meiner Mutterrolle zurechtzufinden. Ok, die Fremdbestimmung war im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, aber ich war schnell in meinem Element und konnte mich bei jeglichen Bedürfnissen meines Kindes auf mein Bauchgefühl verlassen. Wir waren von Anfang an ein super Team, wir Drei. Obwohl das Räubermädchen alles andere als ein Anfängerbaby war mit ihren abendlichen Schreistunden, ihrer allgemeinen Unzufriedenheit und dem stundenlangen Herumgetragen-werden-Wollen.

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Auf einmal war er da…
So genau kann ich gar nicht mehr sagen, wann ich zum ersten Mal diese innige Bindung zwischen uns beiden spürte. So richtig. So fest, dass es schon fast weh tat. Aber ich kann mich erinnern, dass es auch schon in der ersten Zeit solche Momente gab, in denen das Gefühl aufflackerte. Da war zum Beispiel diese Situation, als wir noch im Krankenhaus waren. Ich wartete in meinem Zimmer darauf, dass das Räubermädchen von einer Untersuchung zurückgebracht wurde. Plötzlich hörte ich ein Baby auf dem Flur schreien. „Das ist mein Kind!“, schoss es mir durch den Kopf und mich überkam eine unglaubliche Sehnsucht, mein Baby, das nur wenige Minuten von mir getrennt gewesen war, wieder in den Armen zu halten, seine weiche Haut zu spüren und an seinem Haar zu riechen. „So muss es sich anfühlen“, dachte ich damals. Und so fühlte es sich tatsächlich an.

… der Mammutbaum!
Im Nachhinein erscheint es mir relativ logisch, dass sich meine Mutterliebe erst entwickeln musste. Das Räubermädchen war fünf Tage vor dem errechneten Termin per Kaiserschnitt geholt worden. Weder sie noch mein Körper waren auch nur annähernd für eine Geburt bereit gewesen und somit ließ vermutlich auch die Produktion des Bindungshormons etwas länger auf sich warten. Zudem bin ich generell ein Mensch, der in Sachen Liebe, laaaaange Zeit braucht. Ich bin niemand, der sich Hals über Kopf in jemanden verliebt. Meine Liebe muss wachsen, über Wochen und Monate. So war es beim Räuberpapa. Und so war es auch beim Räubermädchen. Heute habe auch ich einen Mammutbaum in meinem Herzen. Es dauerte ein Weilchen, doch inzwischen verbindet mich und das Räubermädchen ein bombenfestes Band. Rückblickend weiß ich, dass dieses Band von Anfang an da gewesen ist. Ich habe es nur nicht so stark gespürt, weil es noch so zart war und einfach Zeit zum Gedeihen brauchte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Liebe zu meinem Kind noch stärker, noch inniger werden kann. Aber das wird sie ganz bestimmt mit den Monaten und Jahren.

Mit diesem Beitrag bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017: https://www-de.scoyo.com/eltern/scoyo-lieblinge/eltern-blogs/ELTERN-Blog-Award-2017.

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