Familienalltag

Viren des Grauens – Unser erster Kitawinter

img_0006Jeden Morgen, wenn wir in die Kita kommen, fällt mein Blick zuallererst auf einen unscheinbaren grünen Zettel an der Eingangstür. Die Worte, die einem dort entgegen springen, haben einen bisschen was von der täglichen BILD-Schlagzeile. Welche irrsinnige Neuigkeit wird uns heute wieder erwarten? Eine harmlose Bindehautentzündung? Hand-Fuß-Mund  (eine Krankheit, von der ich bis vor wenigen Monaten nicht einmal wusste, dass es sie überhaupt gibt)? Oder das grauenvollste aller Grauen: Magen-Darm?

Ich gebe zu, ich habe die Schilderungen vom ersten Kitawinter anderer Eltern oft für übertrieben gehalten. Oder dachte zumindest, uns wird es schon nicht so schlimm erwischen. Schließlich wird das Räubermädchen ja immer noch gestillt. Da muss sie doch robuste Abwehrkräfte haben! Doch schneller als ich „Viren“ sagen konnte, hatte es uns dann doch heimgesucht. Am Tag zuvor erzählte ich einer Kollegin, deren Sohn bereits seit Wochen von einem Infekt nach dem anderen geplagt war, noch, dass wir bisher mit Ausnahme des Drei-Tage-Fiebers ganz zu Beginn der Kitazeit noch keine der herumfleuchenden Seuchen abbekommen hatten – und schwupps lag das Räubermädchen am nächsten Tag mit Fieber und Husten darnieder.

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Ein Couchtag der anderen Art

Den ersten Tag verbrachten wir hauptsächlich auf der Couch, da das Räubermädchen zu geschafft für größere Aktivitäten war. Wir schauten uns Bilderbücher an, stillten und kuschelten viel – ganz ungewohnt, denn sonst hat das Räubermädchen meist viel zu viele Hummeln im Hintern, um zu kuscheln. Ein bisschen fühlte ich mich in die erste Säuglingszeit zurückversetzt, als das Räubermädchen hauptsächlich auf mir kleben und herumgetragen werden wollte. Man merkte richtig, wie sie die körperliche Nähe nun brauchte, um gegen das Fieber zu kämpfen. Und die bekam sie natürlich auch. Immer wieder schlief sie, den heißen, fiebrigen Kopf an meinen Hals gekuschelt, ein, schreckte aber nach spätestens 10 Minuten aus ihrem unruhigen Schlaf wieder hoch. In diesen paar Minuten versuchte ich, ein paar dringliche E-Mails zu beantworten und die wichtigsten Aufgaben des Tages zu delegieren. Die Zeit zog sich wie Kaugummi und ich war abends fix und fertig, obwohl wir den ganzen Tag ja nur herumgesessen hatten. Am nächsten Tag stellte das Räubermädchen schon wieder die Wohnung auf den Kopf und fand es offensichtlich viel zu langweilig, mit dem Räuberpapa, der diesen Kindkranktag übernommen hatte, zu Hause zu sitzen. Puh, Krankheit überstanden!

Bis zum nächsten Mal…
Die Woche darauf saß ich gerade in einem Kunden-Call am Telefon, als mein Handy auf dem Schreibtisch vibrierte. „Kita“ prangte dick und fett auf dem Bildschirm. Das konnte nichts Gutes heißen. Vor lauter Schreck legte ich einfach auf, ohne mich zu verabschieden. Ups! Aber es handelte sich ja auch sicher um einen Notfall. „Wir glauben, dass das Räubermädchen eine Bindehautentzündung hat“, begrüßte mich Erzieherin Laura entschuldigend. „Das müssen Sie leider abklären lassen.“ Also meine Sachen zusammen gepackt und auf zur Kita. Die Bindehautentzündung entpuppte sich als durch einen Schnupfen verstopften Tränenkanal. „Wenigstens nur ein halber verlorener Arbeitstag“, dachte ich. Am nächsten Morgen rief die Kita erneut an. Die Erzieherinnen in der Gruppe des Räubermädchens waren alle krank. Da ich ohnehin meinen freien Tag hatte, ließ ich das Räubermädchen lieber zu Hause – und der schon längst überfällige Wohnungsputz musste eben noch ein Weilchen länger warten.

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Komplett lahmgelegt
Woche um Woche ging es irgendwie so weiter und unser sonst so schöner Alltagsrhythmus geriet völlig durcheinander. Erst hatte ich einen, glücklicherweise nur leichten, Anflug von Magen-Darm. Dann erwischte es das Räubermädchen. Magen-Darm beim Kind war schon immer mein absoluter Albtraum gewesen. Zum Glück hatten wir es dieses Mal nur mit „Magen“ zu tun und auch das hielt sich in Grenzen. Erstaunlicherweise war das Räubermädchen recht fit, so dass wir – abgesehen von ein paar unschönen Unterbrechungen – einen ganz normalen Mama-Tochter-Tag verbringen konnten. Nach einem Tag war der Spu(c)k auch schon wieder vorbei. Natürlich machten die Viren auch vor dem Räuberpapa nicht halt, aber auch ihn erwischte es nur leicht. Inzwischen hatte das Magen-Darm-Virus die halbe Kita lahmgelegt und da man die Lage trotz größter Vorsichtsmaßnahmen nicht in den Griff bekam, wurde die Einrichtung für zwei Tage komplett geschlossen, um den Viren endgültig den Garaus zu machen. Also wieder Kindkranktage nehmen und sehen, wie man die Arbeit doch irgendwie geschafft bekommt. Da dieses Mal alle Eltern gleichzeitig betroffen waren, hatten wir wenigstens Unterhaltung. Den einen Tag verbrachten wir, zusammen mit dem kleinen Freund des Räubermädchens und seiner Mama, bei einer anderen Kita-Mama plus Sohn. Am anderen besuchte uns der kleine Freund (ohne Mama). Die beiden hatten einen riesigen Spaß. Das Räubermädchen freute sich so sehr über den Besuch ihres Spielkameraden, dass sie ihm ständig Küsschen gab. Und ich war froh, dass sie so gut unterhalten war. Es war auch gar nicht so anstrengend, wie ich vermutet hatte, von ein paar kleineren Streitereien und Eifersüchteleien mal abgesehen. Im Gegenteil. Es machte richtig Spaß, mit den beiden zu spielen und ihnen zuzuschauen, wie sie Bilder malten und abwechselnd mit dem Lauflernwagen durch die Bude flitzten.

Irgendwann muss diese Seuchenzeit aber endlich mal ein Ende haben! Letzte Woche war das Räubermädchen tatsächlich mal wieder eine komplette Woche in der Kita und wir symptomfrei auf der Arbeit. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie sich das anfühlt! Seit gestern laufen allerding schon wieder Sturzbäche aus Nase und Augen und heute hat sich noch ein Husten dazugesellt. Es scheint also munter weiterzugehen. Hoffen wir, dass wir wenigstens an Weihnachten alle halbwegs fit sind. So langsam wäre es wirklich nett, wenn unsere Wohnung mal kein Lazarett mehr wäre.

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